Was war das für ein Samstag.
Fange ich mal mit dem Negativen an: Gladbach hat mal wieder sang- und klanglos verloren. Schade, aber nicht anders zu erwarten.
Nun aber der Reihe nach. Vor einigen Wochen hatte ich wieder Lunte gerochen. 2010 wenigstens eine neue Bestzeit laufen. Über die 10km hat es in Alpen nicht ganz gereicht, da habe ich nur egalisiert, also musste ein neuer Versuch her. Ich habe mich ganz bewusst für den Halbmarathon in Nettetal entschieden. Es waren noch 7 Wochen Zeit für ein qualitatives Training und außerdem gibt es in Nettetal neben der sehr familiären Atmossphäre die Möglichkeit noch am Veranstaltungstag ohne Aufschlag nachzumelden. Startgebühr für den Halbmarathon: 3 Euro!!!
Am Freitagabend mit Spaghetti Bolognese nochmal ordentlich Carbo geloaded – die Kinder hat es auch gefreut – recht gut geschlafen und entspannt wie gewohnt gefrühstückt. Gegen 11 Uhr habe ich dann angefangen meine Tasche zu packen. Gut gefüllter Trinkgurt rein, Energiegel für den Fall der Fälle, zwei Dosen red bull (die brauche ich immer nach dem Wettkampf
, Startnummernband und Bodyglide gegen Wundscheuern, sowie warme Sachen für nach dem Lauf.
Auf der Fahrt nach Nettetal regnete es leicht. Genau wie letztes Jahr. Ich war dann so rechtzeitig da, dass ich noch im Zielbereich direkt am Strandhotel Poelvensee parken konnte, was die Logistik erleichtert.
Wir waren insgesamt zu zehnt vom Verein (AS Neukirchen-Vluyn) und konnten so unsere Startunterlagen unkompliziert bei den Vereinsmeldungen abholen.
Ich wollte unbedingt Bestzeit laufen und war mir auch sicher die zu schaffen. Die bisherige Bestzeit war eine 1:55:17h aus dem Jahr 2007. Aber wie das Rennen angehen? Nur auf sicher unter 1:55h oder gleich auf 1:50h wie trainiert? Das Wetter war für mich besser als erwartet, weil mit 13 Grad kühler als die noch am Donnerstag vorhergesagten 17 Grad. Der Trinkgurt konnte also im Auto bleiben, zumal ich vorher noch gut getrunken hatte. Die Kleiderwahl blieb dennoch bei kurz/kurz. Rücksprache mit den Kollegen, was die so laufen wollten. Eine Dreiergruppe plante unter 1:50h zu laufen und mit 5.00er Tempo starten. Das war mir zu schnell. Eine andere Gruppe wollte 1:55h laufen und mit 5.30er Tempo beginnen. Ich entschied mich für die goldene Mitte, auch wenn ich dann erstmal alleine laufen musste. Um 14.30 Uhr machten wir uns auf den Weg zur Startlinie. Einlaufen? Fehlanzeige, da hatte keiner von uns Lust zu.
Nochmal kurz zur Überschrift: Warum eigentlich Doppelpremiere? Ich hatte mich dazu entschieden zum ersten Mal einen langen Wettkampf in meinen Ghost 3 von Brooks zu laufen und ebenfalls zum ersten Mal die topmodischen Kompressionsstrümpfe zu tragen.
Mit zwei Minuten Verspätung dann der Startschuss. In Nettetal wird nur die Bruttozeit gemessen, darum habe ich auch direkt die Uhr ausgelöst und nicht erst beim überqueren der Startlinie. Inzwischen hatte es aufgehört zu regnen, auch wie letztes Jahr. Das Starterfeld war, wie immer in Nettetal, mit knapp 250 Läufern recht überschaubar, so dass sich das Feld schon nach ein paar hundert Metern auseinanderzog und man frei laufen konnte. Unsere 1:50er Gruppe war schon relativ schnell 50m weg. Ich lies meine Beine einfach mal laufen und passierte den ersten km nach 5:13min, den zweiten km nach weiteren 5:08min und den dritten dann nach 5:04min. Da hätte ich auch gleich mit den Drei starten können. Ich fing das Rechnen an: Wenn ich in dem Tempo weiterlaufen könnte würde es dicke für eine sub 1:50h reichen. Und selbst, wenn ich nach 15km einbreche reicht es immer noch für eine neue Bestzeit. Ich hatte also nichts zu verlieren und hielt das Tempo bei. Unsere Dreiergruppe war immer noch 50m vor mir. Sie war von nun an mein optischer Maßstab. Es galt insgesamt dreimal den Poelvensee zu umrunden, die Strecke ist durchgängig asphaltiert. Kurz nach dem Start geht es recht langgezogen bergab, die nächsten drei km sind flach und führen u.a. am Schloss Krickenbeck vorbei, die nächsten zwei km ganz leicht wellig und am Schluss der Runde muss es zum Start wieder einen knapp 300m kurzen knackigen Anstieg hoch. Kein Problem in der ersten Runde, der Motor lief ruhig und schnurrte gleichmäßig dahin, kein Tempoverlust am Anstieg, noch 500m dann zum ersten Mal was trinken und ab in die zweite Runde. Ich lief sehr konstante km-Splits, nie schneller als 5:02min und nie langsamer als 5:13min. Die 10km-Marke passierte ich nach 50:57min – man das ist eine meiner schnellsten 10er Zeiten überhaupt. Vielleicht bin ich doch zu schnell? Ich horchte in mich hinein, meine Atemfrequenz war sehr gleichmäßig, ich hatte nicht das Gefühl im anaeroben Bereich zu laufen. Die Beine waren immer noch locker, also weiter in dem Tempo. Ich zog mich langsam immer näher an die vor mir laufende Dreiergruppe aus dem Verein heran. Bei km12 war ich nur noch 20m hinter den Kollegen. Dann zum zweiten Mal der Anstieg. Ich lief wieder im gleichen Tempo weiter und kurz vor Beginn der dritten Runde hatte ich dann zu meinen Vereinskameraden aufgeschlossen. Aber nur kurz, denn ich wollte unbedingt wieder zwei Becher Wasser greifen. Jeweils die Hälfte getrunken der Rest über den Kopf. 15km war die nächste Wegmarke für mich und die sorgte für weitere Motiviation. Ich lief quasi nebenbei eine neue Bestzeit für 15km. Die Uhr zeigte 1:16:18h. Vier Minuten schneller als bei meinem bisher schnellsten Wettkampf auf dieser Distanz. Ist schon ein geiles Gefühl so schnell zu laufen. Meine Beine spürte ich jetzt allerdings schon ein wenig. Allerdings hatte ich nicht das Gefühl langsamer laufen zu müssen, was ich dann auch nicht tat. Immer weiter im niedrigen 5er-Schnitt. Nach etwas mehr als 17km hatte ich dann auch wieder meine Kollegen ein und wir liefen den Rest der Strecke gemeinsam. Naja, fast den ganzen Rest der Strecke. Denn mir fehlten Körner für einen Endspurt. War mir auch egal, denn da wusste ich bereits, dass ich es sogar ganz locker unter 1:50h schaffen würde. Also zum letzten Mal die Steigung mitnehmen, wieder ohne Zeitverlust, Startnummer nach vorne drehen, Finisherlächeln aufsetzen und ab durchs Ziel. Der Blick auf die Uhr löste wahre Glücksgefühle in mir aus: 1:47:49h für einen halben Marathon. Wenn mir das vor Wochen jemand gesagt hätte, den hätte ich für verrückt erklärt. Ich habe meine alte Bestzeit um fast acht Minuten unterboten. Hammer. Und mein Dank gilt den Hasen aus der Dreiergruppe die immer eine tolle Orientierung boten und die mich über drei Runden magisch angezogen haben und somit auch ihren Teil zu meiner Bestzeit beigetragen haben. Danke Volkmar, Thorsten und Stefan – der übrigens bei seinem ersten HM gleich eine 1:47h lief. Super.
Im Zielbereich dann schnell 5 Becher heißen Tee weggeschlürft, warme Klamotten angezogen – Duschmöglichkeiten sind vor Ort leider nicht vorhanden – und bei dem obligatorischen Zielbier auf die Urkunden gewartet, die dann auch sehr schnell ausgedruckt wurden.
Noch ein paar Worte zu den Premieren: Ich habe heute schon das Gefühl, das die Kompressionsstrümpfe die Regeneration der Muskulatur verbessern. Ich spüre zwei Tage nach dem Lauf keine Zipperlein, wie sonst immer nach solchen Distanzen. Und der Brooks Ghost 3 ist einfach nur ein genialer Laufschuh. Kaum am Fuß zu spüren, super Abrollverhalten und eine für diese Distanz und mein Gewicht (80kg) absolut ausreichende Dämpfung.
Jetzt stehen erstmal ein paar Wochen Lauftraining ohne besondere Ambitionen an und 2011 sehe ich dann mal weiter.


Hi Markus,
GLÜCKWUNSCH!! Und was die Brooks anbelangt, ich laufe zwar nicht den Ghost sondern den GLYCERIN den mir die Jungs aus MS zum A40-Run zur Verfügung gestellt haben, aber die machen auch einfach nur Spass
Nächstes Jahr in DU dann die 1:45? Wobei da ist es am Start immer recht voll
Grüße
Markus
Hallo Markus, danke. Den Glycerin laufe ich auch, aber erst seit ein paar Kilometern
DU werde ich ganz moderat angehen, ich habe da einer gewissen Dame ja angeboten sie zu begleiten und das werde ich dann auch tun
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